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Ergreifender Start trieb Tränen in die Augen

Tag der offenen Tür in den Kinder- und Jugendhäusern „Anne Frank“ ließ tief blicken

Da geht man zum Tag der offenen Tür zu den Kinder- und Jugendhäusern „Anne Frank“ in Tangermünde, ist als Pressevertreterin des DRK Kreisverbandes gut vorbereitet und denkt sich, das wird eine schöne Runde mit einem fröhlichen Programm und dann kommt man doch mit einigen anderen Gästen ins Schlucken und wischt sich ein Tränchen aus dem Augenwinkel. Ich gebe zu, es gab bei einigen sogar mehr als nur dieses Tränchen. Aber ich nenne hier mal niemanden beim Namen. Was ist passiert? Dazu später. Erst mal beginnen wir bei der Eröffnung durch Birgit Schleinig, Einrichtungsleiterin und an dem Tag „Hofnärrin über ihren geliebten Hofstaat.“

Sehr bildlich - als Märchen verkleidet - tauchte Birgit Schleinig in die Geschichte der Kinder- und Jugendhäuser am vergangenen Freitag ein. Ihr Palast wurde in den letzten Monaten durch ihre Heinzelweibchen und Heinzelmännchen liebevoll eingerichtet und alle haben die Umherziehtage, Einzugstage und Ruhetage gut gemeistert. Sie ließ Revue passieren, welche Herausforderung es doch war, von den einzelnen Häusern in eine zentrale Anlaufstelle zu ziehen und zeigte sich nochmals sichtlich froh über die viele Hilfe aus den eigenen Reihen. Sie eröffnete das Programm und die Tränen ließen nicht mehr lange auf sich warten.

Angelique steht jung und dynamisch und ein bisschen nervös mit einem Zettel in der Hand am Mikrofon. Sie ist 14 Jahre jung und seit über fünf Jahren in den Kinder- und Jugendhäusern. Sie erzählt von ihrem Heimweh, als sie von Zuhause auszog, von den Schwierigkeiten mit ihrer Mama und den Bezugserzieherinnen. Ihre Stimme bricht, als sie von den Schwierigkeiten in ihrem Leben erzählt, wie geliebte Menschen gehen und sie eigentlich Halt sucht, sich aber lieber zurück zieht und „ihre fünf Minuten“ bekommt. Ihre Worte zeigen, wie sie sich entwickelt hat, auch wenn sie sich noch immer nicht an alle Regeln hält und lange brauchte, ihr neues Zuhause zu akzeptieren. Sie berichtet von ihrer Wut, ihren Ängsten…aber auch von den Ausflügen und neuen Menschen in ihrem Leben.  Ihre Bezugserzieherin steht ihr bei. Sie schließt ihre Geschichte ab mit „Jeder muss seinen Platz finden. Danke.“ Danke, Angelique, für diese ergreifende Geschichte. Sie hat ein Mal mehr gezeigt, wie schwer der Weg in der Kindheit und Jugend sein kann und dass man doch trotzdem positiv nach vorne schauen sollte. Auch jetzt noch schniefte vereinzelt jemand im Publikum oder trocknete sich unbeobachtet die Augen (ich habe es aber gesehen ;o).

Danach ging es in das fröhliche Programm über. Denn mit Glückshormonen im Blut, Tanz in den Beinen und Melodie in der Stimme lebt es sich beschwingt schön. Ein Cup-Song (mithilfe von zwei Bechern, die gestellt, gekippt, neu aufgestellt werden, begleiteten sich zwei Sängerinnen rhythmisch) und zwei kleine Theaterstücke rundeten den Freitagnachmittag ab. Danach gingen alle interessierten Besucher durch die neuen Räume und bestaunten die einladenden Außenanlagen.

Alle Besucher (darunter viele Eltern und ehemalige Erzieher) waren begeistert. Das Haus, dessen Bau 6,5 Mio. Euro kostete, ist in seiner Kapazität bereits erschöpft. Die Kinder und Jugendlichen wohnen in Ein- und Zweibettzimmern in unterschiedlichen Gruppen und haben zudem einen Wohn- und Essbereich, ein Hausaufgaben- und Sportzimmer u.v.m. Je nach Alter und persönlicher Entwicklung werden die Bewohner langsam aber stetig an ein selbständiges Leben herangeführt.

13. Juni 2017 15:20 Uhr. Alter: 163 Tage